Yuishinkan Dojokun

Im Dojokun sind die Verhaltensregeln der Karateka im Dojo und darüber hinaus zusammengefasst. Sie machen erst aus einer einfachen Halle ein Dojo und ihre Einhaltung ist ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung im Karate-Do.

hitotsu, reigi o tadashiku
Erstens, übe mit korrektem Benehmen und Etikette
reigi - Etikette, Benehmen; tadashiku - korrekt, richtig, aufrecht

hitotsu, tayumazu tsuzuke
Erstens, übe unermüdlich weiter
tayumazu - unermüdlich; tsuzukeru - weitermachen

hitotsu, muri o sezu
Erstens, übertreibe nicht
muri - Unvernunft; sezu - ohne … zu tun

hitotsu, manshin sezu
Erstens, übe ohne Stolz
manshin - Stolz, Arroganz, Hochmut, Überheblichkeit; sezu - ohne … zu tun

hitotsu, shinmi no tanren o su
Erstens, forme Körper und Geist
Shinmi (shinshin) - Geist und Körper; tanren – trainieren, schulen, schmieden, abhärten; su - tun

Es gibt kein einheitliches Dojokun über alle Stile und Dojos hinweg, jedoch ähneln sie sich in ihrem Inhalt sehr. Die erste Aufstellung soll auf Bodhidharma zurückgehen und ihre Verbreitung in Japan begann mit Tode Sakugawa (ca. 1750). Seine fünf Leitsätze finden sich heute oft als Dojokun in den verschiedensten Dojos. Gichin Funakoshi (Shotokan) stellte 20 Leitsätze zusammen, das Nijukun. Für das Yuishinkan hat Kisaki Tomoharu das zuvor aufgeführten Dojokun formuliert, dass ebenfalls fünf Leitsätze beinhaltet. In einem Satz lässt sich dies vielleicht wie folgt zusammenfassen:

Unter Beachtung der Etikette übe unermüdlich, aber übertreibe nicht und sei nicht überheblich, um Körper und Geist zu schulen!

Lehrer, Trainer und Schüler haben die Aufgabe die Regel einzuhalten. Der Lehrer/Trainer muss dabei den Schüler fordern und fördern - immer mit dem individuellem Maß, um den Schüler mit seinem Wissen auf dem Karate-Weg anzuleiten und zu unterstützen. Der Schüler muss seinerseits das Vertrauen haben, den Anleitungen zu folgen.

Das vorangestellte „Hitotsu“ bedeutet „Erstens“ oder „Eins gilt“ und zeigt so, dass jede der Regeln gleich wichtig ist. Jeder muss sich immer wieder aufs Neue mit den Regeln befassen und deren Sinn für sich ergründen. Neben der körperlichen und technischen Entwicklung auf dem Weg, kommt damit von Anfang an eine geistige Komponente hinzu, die dabei hilft, die Persönlichkeit zu formen. Beide Entwicklungen ergänzen sich im Karate-Do.

„Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn man es nicht ständig erwärmt.“

Quelle: „Jukuren – Kampfkunst der Erfahrenen“, 2007, von Fritz Nöpel und Martin Nienhaus