Über Gōjū-Ryū

Geschichte des Gōjū-Ryū Yuishinkan Karate-Dō

Karate-Dō ist eine traditionelle asiatische Kampfkunst, die ihren Ursprung auf Okinawa hat. Die Hauptinsel der heute zu Japan gehörenden Ryū-Kyū Inselgruppe (südlich von Japan liegend) war früher politisch und kulturell unabhängig.

Hier vermischten sich Mitte dieses Jahrtausends die chinesischen Kung-Fu-Stile mit der Kultur Okinawas und führten zur Entstehung einer eigenen Kampfkunst, Tōde (später Kara-Te) genannt. Doch erst Anfang des 19. Jahrhunderts gelangte diese, lange Zeit als Geheimkunst ausgeübte Form der waffenlosen Selbstverteidigung, zur Hauptinsel nach Japan. Mitte dieses Jahrhunderts wurde das Karate auch außerhalb Japans und Asiens verbreitet.

Auf Okinawa und Japan hatten sich bis dahin mehrere Schulen (Stilrichtungen) ausgeprägt. Einer der Hauptstile in dieser Entwicklung wird von uns gelehrt:

Gōjū-Ryū – Die Bezeichnung Gōjū-Ryū (Gō – hart, Jū – weich, Ryū – Stil) wurde von seinem Begründer Chōjun Miyagi (1888–1953) aus dem Zitat „Alles im Universum atmet hart und weich“ abgeleitet. Weich aber entschlossen wie das Fließen des Wassers soll unsere Abwehr sein, damit die Energie des Angreifers zu unserem Nutzen wird. Hart und kompromisslos wie der Weg des Katana (Schwert) eines Samurai (japanische Kriegerkaste) soll unser eigener Angriff sein.

Karate-Dō – Der Begriff Karate-Dō wird zumeist mit dem „Weg der leeren Hand“ übersetzt. Dies ist aber nur bedingt richtig. Kara ist ein Begriff des Zen-Buddhismus und bezeichnet den von allen störenden Gedanken und Emotionen befreiten und dadurch in der Wahrnehmung vollkommenen Geist – konzentriert nur auf das Eine, das Nichts, das Tao. Te war die ursprüngliche Bezeichnung der Kampfkünste auf Okinawa. Dō bezeichnet die Art und Weise, d. h. die innere geistige und moralische Einstellung ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Yuishinkan – Der Name Yuishinkan steht für das Dōjō des Großmeisters Kisaki Tomoharu und bedeutet frei übersetzt „Die Halle des tapferen Herzens“. Die Schule steht für ein besonders intensives und hartes Training. Dies soll die Konsequenz im eigenen Willen und in der Ausführung des von Kisaki gelehrten Karate-Dō verdeutlichen.

Tomoharu Kisaki († 1996) – Träger des 9. Dan (Meistergrad) im Karate-Dō sowie mehrerer Meistergrade in anderen Budō-Disziplinen und direkter Schüler von Chōjun Miyagi – musste 1958 einen besonderen Schüler in seinem Dōjō in Ōsaka (Japan) erblicken: Fritz Nöpel Der heute über 70-jährige Weltenbummler – Träger des 9. Dan, höchstgraduierter Nicht-Japaner und offizieller Beauftragter des Gōjū-Ryū Karate-Dō in Europa und Deutschland – hatte es schwer. Erst nach monatelangem Warten und Geduldsproben wurde er von Sensei (Mentor) Kisaki im Karate-Dō unterrichtet.

Doch es hat sich gelohnt. Über zehn Jahre blieb er in Japan, bevor er nach Deutschland zurückkehrte und dort die ersten eigenen Dōjōs gründete. Die Gründer der Karate-Dō-Abteilung der TG Witten, Ralf Budde, Barbara Remer und Ralf Baier erlernten das Karate-Dō bei direkten Schülern von Fritz Nöpel und besuchen noch heute regelmäßig seine Lehrgänge.

Text: Ralf Baier